ADORNO UND DAS SMARTPHONE. Texte, Gespräche, Erinnerungen

Theodor W. Adorno hat lebenslang, unermüdlich gerade auf die Notwendigkeit einer Erziehung zur Mündigkeit hingewiesen – nicht zuletzt durch die von ihm intendierten und erarbeiteten Studien zum Autoritären Charakter und später in seiner kritischen Solidarität mit den rebellischen Student*innen. Diese „Mündigkeit“ wird im 21. Jahrhundert in besonderer Weise notwendig.

Durch die immer umfassendere politische, medientechnische, jetzt auch digitalisierte Verknüpfung von Menschen (Staaten, Weltteilen) entstehen immer größere und in sich einheitlicher agierende „Schwärme“ von Menschen (Zuboff) und entfalten auch zerstörerisches Potential. Im 20. Jahrhundert war die soziale Katastrophe des Nationalsozialismus der Worst Case. In den letzten 50 Jahren entstand ansatzweise Bewußtheit über nicht mehr ignorierbare Grundfragen des Menschseins in der entwickelten Zivilisation (Ökologie, Atomwaffen, Nationalismus, Demokratie, Bürokratie); im 21. Jahrhundert könnte dazuhin eine bisher noch unbekannte Form von weltweiter (gewaltloser) Gleichschaltung von Menschen innerhalb des „Plattformkapitalismus“ (unter anderem Blickwinkel: „Überwachungskapitalismus“) ebenfalls katastrophische Folgen haben.

Die psychosozialen Folgen dieses „Überwachungskapitalismus“ können wohl als eine grundlegend neue Stufe der Dialektik der Aufklärung verstanden werden: die schleichende Dichotomisierung von Vereinheitlichung bzw. Ausgrenzung von demokratischen Prinzipien des Lebens (u.a. Selbstentfaltung, Privatsphäre, Intimität, Individualität, Datenschutz, Entscheidungsfreiheit ..) durch die im Bewußtsein der Menschen selbstverständlich werdende Dominanz eines nach kommerzielle Kriterien durchorganisierten Lebens (und Konsumierens).

Das Smartphone ist die primäre Schnittstelle zu dieser progressiven digitalisierten Vereinheitlichung des sozialen Menschenlebens. Die Einleitung dieser Veröffentlichung bei A+C enthält eine kurze Einführung in die Prinzipen der problematischen digitaltechnologischen Entwicklungen mit ihren voraussichtlichen Auswirkungen für Demokratie und Gesellschaft. (Ich verweise auch auf die entsprechenden Wikipedia-Artikel.)

Diese Veröffentlichung sammelt Texte (auch Erinnerungen und Gespräche) von und zu Theodor W. Adorno und seinem Werk. Mein ursprünglicher Impuls war die Frage, was hätte Adorno zu diesen Perspektiven gesagt? Adorno mit Smartphone: ist das vorstellbar? – In allen Beiträgen sind (implizit) Antworten darauf zu finden..

Inhalt

Mondrian Graf v. Lüttichau: Einleitung 4
Theodor W. Adorno/ Hellmut Becker:
Erziehung zur Mündigkeit (Gespräch) 19
Theodor W. Adorno: Prolog zum Fernsehen 37
Oskar Negt: Adorno als Lehrer 48
Christoph Türcke:
Praxis und Praxisverweigerung nach Adorno 51
Ernst Herhaus: Tod des Philosophen 68
Alfred Schmidt: Adorno – ein Philosoph
des realen Humanismus 71
Theodor W. Adorno: Zur Genese der Dummheit 98
Joachim Kaiser: Was uns Adorno war 101
Peter v. Haselberg: Wiesengrund-Adorno 107
Klaus Reichert: Adorno und das Radio 137
Hans Imhoff: Korrespondenz 149
Theodor W. Adorno: Theologie, Aufklärung
und die Zukunft der Illusionen 152
Elisabeth Lenk: Adorno gegen seine Liebhaber verteidigt 156
Theodor W. Adorno – „Keine Angst vor dem Elfenbeinturm“.
Spiegel-Gespräch 1969 177
Flugblatt: Erklärung seine Schüler in Frankfurt (1969) 186
Theodor W. Adorno: Resignation 191
Max Horkheimer – „Himmel, Ewigkeit und Schönheit“.
Spiegel-Gespräch 1969 197
Theodor W. Adorno/ Ursula Jaerisch:
Anmerkungen zum sozialen Konflikt heute 202
Einige Literaturhinweise 222

https://autonomie-und-chaos.de/images/pdf/A+C_211_ADORNO_Smartphone.pdf

William Quindt: GERECHTIGKEIT oder APOKALYPSE DER TIERE

William Quindt (1898 – 1969) kommt aus einer bäuerlichen Familie; er verlor früh seine Eltern und schlug sich ab dem 15. Lebensjahr in verschiedenen Berufen durchs Leben. Schließlich wurde er Journalist, später Pressechef bei großen Zirkusunternehmen wie Sarrasani und Busch, mit denen er Europa bereiste. Weitere Reisen brachten ihn nach Afrika und Indien.
Ab 1932 veröffentlichte er eine Vielzahl von Romanen, die (unter der Kategorie Tiergeschichten und Abenteuerromane) fast ausnahmslos zu Bestsellern wurden . Einige Bücher blieben bis heute dauerhaft lieferbar, vor allem STRASSE DER ELEFANTEN (1939), in dem sich Quindt kritisch mit der Elfenbein-Wilderei auseinandersetzte und eindringlich für den Schutz der Elefanten eintrat.
Die meisten seiner Romane sind nicht zuletzt Allegorien – begründet in verbitterter, resignierter Sehnsucht nach der Möglichkeit authentischen, menschenwürdigen Lebens, wobei im Mittelpunkt fast immer Tiere stehen. Das hier wiederveröffentlichte späte Hauptwerk GERECHTIGKEIT legt den Schwerpunkt ganz und gar auf das Leid der Tiere in einer Welt der Menschen und die Notwendigkeit, sich dieser Zerstörungsnormalität zu widersetzen.
Quindts lebenslange Annäherung an die Welt der Tiere, seine lebenslange Auseinandersetzung mit der Realität der Menschen auf diesem blauen Planeten wird in GERECHTIGKEIT nicht zusammengefaßt (sprich: verallgemeinert), vielmehr entfaltet in all seinen Nuancen.

Der Tiermaler Hans Froment lebt für seine Kunst, Tiere in der Schönheit ihrer Lebenswirklichkeit zu porträtieren. Er erhält den Auftrag, für einen großen Verlag über sechs Jahre in Afrika, Asien und Nordamerika zu reisen, um die dortige Tierwelt für großangelegte Buchveröffentlichungen zu zeichnen und zu malen. Während dieser Reise nähert er sich dem Leben wilder Tiere auf ihrem heimatlichen Kontinent in einer für ihn umwälzenden und irritierenden Weise. Nach der Rückkehr nach Europa wird ihm schrittweise, in unzähligen Situationen, Begegnungen, Konfrontationen (mit Tieren und Menschen) erschreckend deutlich, in welchem Maße Tiere in der Menschenwelt (zumal in der zivilisierten Gesellschaft) mißachtet, versklavt, gefoltert, entwürdigt und zerstört werden. Sacht erkennt er, daß auch in der von einer (scheinbaren) Gemeinsamkeit zwischen Mensch und Tier bestimmten Welt des Zirkus, auch in der Realität von Zoos, selbst im Umkreis des organisierten „Tierschutzes“ die Tiere zumeist als Objekte der Menschen benutzt werden. – Diese Zusammenhänge werden von Quindt nicht als Streitschrift publiziert, sondern verwoben in eine romanhafte und zugleich essayistische Erzählung von im Original 732 enggedruckten Seiten.

Verwoben wie in einem rhizomatischen Wurzelwerk sind in diesem wortgewaltigen Buch alle Themen, Assoziationen, Erinnerungen, Reflexionen, und durch alles flutet der Blick auf die legitime Wahrheit der Tiere: nicht abgeleitet von der Wirklichkeit der Menschen. Im Lesen – Satz für Satz, Passage für Passage – entfaltet sich uns ein eigener Blick auf diesen blauen Planeten. Wir erkennen, daß das biblische „Paradies“ ja diese Erde gewesen ist! – Die Welt der Tiere ist uns offensichtlich fremder als alle außerirdischen Lebenswelten, die SF-Autoren erfinden: das wird deutlich an Quindts Roman GERECHTIGKEIT, einem Buch, das sich selbst naturwüchsig zu entfalten scheint; dabei ist es Szene für Szene, Gedankengang für Gedankengang folgerichtig aufgebaut bis zur letzten Seite.

Das Buch erschien 1958 , im Jahr 1982 wurde eine stark gekürzte Taschenbuchausausgabe veröffentlicht. Der vorliegenden einzigen Wiederveröffentlichung (2024) unter dem neuen Titel GERECHTIGKEIT oder APOKALYPSE DER TIERE liegt die Originalausgabe zugrunde. Hinzugefügt wurde ein Nachwort , Hinweise auf andere Arbeit Quindts, ein Werkverzeichnis sowie Literaturempfehlungen, außerdem einige Abbildungen.

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Anna Langfus: Salz und Schwefel

Anna Langfus (gestorben am 12. Mai 1966 in Paris) wurde als Hanka Regina Szternfinkiel am 2. Januar 1920 als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie in Lublin (Polen) geboren. Zusammen mit ihrem Ehemann Jakub Rais und ihren Eltern wurde sie im Frühjahr 1941 in das neu errichtete Ghetto von Lublin deportiert. Von dort flohen sie und lebten illegal in der Stadt. Der Vater kam in Lublin ums Leben, die Mutter im Warschauer Ghetto, wo sie sich mehr Sicherheit versprochen hatte. Auch das Ehepaar Rajs war 1942 nach Warschau geflohen. Sie blieben zunächst im Ghetto, versteckten sich dann auf der „arischen“ Seite. Anna engagierte sich im polnischen Untergrund. Im November 1944 wird sie von der Gestapo verhaftet. Anna Rajs und ihr Mann werden als russische Spione verdächtigt und im Gefängnis von Nowy Dwór gefoltert. Jakub Rajs wird erschossen. Anna wird ins Gefängnis Płońsk überstellt, sie entgeht nur knapp einer Massenexekution und wird von der sowjetischen Besatzung freigelassen.

Anna Rajs-Szternfinkiel kehrt zunächst nach Lublin zurück, wo keine Verwandten mehr lebten. Sie beginnt dort ein Schauspielstudium. Etwa Mitte 1946 verläßt sie Polen und läßt sich in Frankreich nieder.
Als eine der ersten jüdischen Überlebenden der Shoah begann sie, literarisch ihre ihre Erfahrungen von Verfolgung, Verrat, Folter, Mord und Überleben zu veröffentlichen. In Frankreich entstanden bis zu ihrem Tod drei Romane sowie mehrere Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele.

Anna Langfus starb an einem Herzinfarkt im Alter von 46 Jahren. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Bagneux begraben.
Trotz Literaturpreisen und der Übersetzung ihrer Werke in fünfzehn Sprachen geriet sie ab den 1970er Jahren allmählich in Vergessenheit (heißt es in der französischen Wikipedia). In Deutschland wurde ihr Werk kaum zur Kenntnis genommen.

Die Autorin hat mehrfach betont, daß es sich bei SALZ UND SCHWEFEL nicht um eine Autobiografie handelt, sondern um einen „autobiografischen Roman“. Der Roman zeigt unzählige Situationen, die nicht verarbeitet werden können mithilfe der Erfahrungen, der Empfindungen und Kriterien, der Moral, die wir für das mitmenschliche Leben gelernt und verinnerlicht haben: eine alltägliche Kette von Schmerzen und Demütigungen, die es jeweils zu überleben galt – irgendwie. Manchmal zeigt sich der innere Widerstreit zwischen Lebenswille und dem tiefen Wunsch, daß dieses schreckliche Leben endlich vorbei sein solle, egal auf welche Weise.
Literarische Gestaltung ist eine wichtige Verarbeitungsmöglichkeit traumatischer Erfahrungen. Empfindungen und Reflexionen können poetisch und in fiktiven Situationen distanzierter und dadurch oft nuancierter dargestellt und entfaltet werden als in einem in allen Einzelheiten an den tatsächlichen Abläufen orientierten Bericht.
Ein Wunder bleibt das sprachliche, literarische Niveau der Autorin, das tiefe Einblicke in menschliches Seelenleben ermöglicht: subtilste Beobachtung menschlicher Körpersprache, tiefe Einfühlung in zwischenmenschliche Situationen, die sie umsetzen kann in stimmige (theatermäßige bzw. filmische) Dramaturgie. Für existentielle Momente findet sie oft poetische Bilder.

Über die Realität der völkermörderischen Deutschen während der NS-Zeit enthält dieses Buch nichts, das nicht auch durch viele andere Zeugnisse bekannt wäre. Sein Wert liegt – wie jeder Bericht einer oder eines Überlebenden dieser Schrecklichkeiten – in dem Zeugnis eines Menschen, dieser jungen Frau, die – wie jeder Mensch, jedes Opfer – eine Welt für sich ist und als solche wert, bewahrt zu werden in ihrem Schicksal, ihren Empfindungen. Bewahrt zu werden auch im mitmenschlichen Protest gegen solche Taten. Deshalb müssen solche Zeugnisse weiterhin immer wieder neu veröffentlicht werden!

SALZ UND SCHWEFEL erscheint hier auf Grundlage der deutschen Erstausgabe (1964) als einzige deutsche Neuausgabe – als online-Veröffentlichung (pdf) zum kostenlosen Download.

 Die Veröffentlichung enthält im Anhang einen zusätzlichen Text der Autorin, Literaturhinweise zum Thema „Juden und Polen“ sowie ein Nachwort des Herausgebers (MvL).

Hier ist der Link:

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Sándor Ferenczi: INFANTIL-ANGRIFFE! – ÜBER SEXUELLE GEWALT, TRAUMA UND DISSOZIATION

First edition of all trauma-related lectures and notes of Sándor Ferenczi (in German), download for free (pdf). – Première édition de toutes les conférences et notices de Sándor Ferenczi (en allemand) liés au traumatisme, à télécharger gratuitement (pdf).

1896 formulierte Sigmund Freud den Zusammenhang gewisser „schwerer neurotischer Erkrankungen“ mit unangemessenen (traumatischen) „sexuellen Erfahrungen am eigenen Leib, (…) geschlechtliche(m) Verkehr (im weiteren Sinne)“ im Kindesalter, initiiert durch Erwachsene. Im Jahr 1905 distanziert er sich erstmals öffentlich von seiner (damals sogenannten) „Verführungstheorie“. Die Möglichkeit folgenschwerer sexueller Traumata im Kindesalter wurde von nun an in der psychoanalytischen Therapie konsequent vernachlässigt, teilweise sogar geleugnet.

Als einziger Psychoanalytiker um Freud versuchte der ungarische Arzt Sándor Ferenczi (1873-1933), diese verhängnisvolle Weichenstellung der psychoanalytischen Theorie zu verhindern. Ferenczi fühlte sich aufgrund seiner Erfahrungen mit bestimmten PatientInnen gezwungen, zurückzukehren zu Freuds Annahmen von 1896 und von dort aus neue theoretische Konzeptionen und therapeutische Methoden zu suchen. Schrittweise bilden sich seine Erkenntnisse und Erfahrungen zum Problem früher Realtraumatisierungen in seinen letzten Lebensjahren ab in mehreren Veröffentlichungen sowie in seinem privaten Klinischen Tagebuch und einzelnen Notizen.

Etliche Fallvignetten und Reflexionen in den hier dokumentierten Vorträgen und privaten Notizen lassen den Schluß zu, daß unter Sándor Ferenczis frühtraumatisierten PatientInnen Betroffene mit Borderline-Syndrom, Dissoziativer Identitätsstörung (DIS) und DDNOS waren. Es wird deutlich, wie er das Prinzip der traumabedingten Dissoziation aus seinen therapeutischen Erfahrungen mit in der Kindheit sexuell traumatisierter Patientinnen heraus verstehen lernt. Nach Pierre Janet (und Freud in jener allzu kurzen Episode ab 1896) scheint Ferenczi tatsächlich weltweit der erste gewesen zu sein, der konsequent und stringent das Wesen von Psychotrauma und den therapeutischen Umgang damit erkundet hat!

In seinem hier auszugsweise dokumentierten Spätwerk beruft Ferenczi sich auf die Grunderfahrungen von Güte, Authentizität, Bescheidenheit und Takt. Damit legt er den Grundstein zu einer intersubjektiven Haltung, einer Zwei-Personen-Psychologie, im Gegensatz zur bis dahin in der Psychoanalyse vorherrschenden Ein-Personen-Psychologie.

Sándor Ferenczi, der allzu lange verdrängte bedeutende psychotherapeutische Praktiker und Theoretiker, wird zunehmend wieder-, in mancher Hinsicht erstmalig entdeckt. Wissenschaftliche Institutionen und Publikationen widmen sich Ferenczis psychoanalytischem Vermächtnis (keineswegs nur traumabezüglich). Im Mai 2015 fand eine Internationale Ferenczi-Konferenz (mit dem Schwerpunktthema Trauma) in Torono (Kanada) statt.

Aus gutem Grund hatte traumatherapeutische Forschung und Praxis sich zunächst längere Zeit relativ weit weg von der Psychoanalyse entwickelt. Die Lektüre der hier dokumentierten Arbeiten Ferenczis ruft vielleicht nicht nur bei mir etwas von dem Abenteuer Psychoanalyse wach. Und macht neugierig auf Beiträge der neueren psychoanalytisch begründeten Forschung und Praxis zur Traumatherapie – auch, aber nicht nur auf Grundlage der Arbeit Sándor Ferenczis.

Das in 125 Jahren psychoanalytischer Forschung und Praxis gewachsene Verständnis für die psychodynamische Vielfalt und Komplexität des Menschen (zumindest in unserer Zivilisation) und insbesondere die damit verbundene entwicklungspsychologische und beziehungstherapeutische Kompetenz kann sich heutzutage austauschen mit den Forschungsergebnissen, den Konzeptionen und therapeutischen Erfahrungen der neurophysiologisch-eklektischen Psychotraumatologie, vor allem im Hinblick auf schwerste Traumatisierungen, sowohl im Kindesalter (familiär oder durch Fremde, mit den Folgen der Strukturellen Dissoziation der Persönlichkeit ) als auch bei Akuttraumatisierungen Erwachsener. Sándor Ferenczis therapeutische Aufmerksamkeit ging jedenfalls in beide Richtungen.

Die hier vorliegende erstmalige Zusammenstellung aller traumatherapeutisch relevanten Arbeiten Sándor Ferenczis möchte bescheiden beitragen sowohl zur derzeitigen Neuentdeckung dieses Mitbegründers der Traumatherapie als auch zum Brückenschlag zwischen psychoanalytischer Traumatologie und Psychotraumatologie.

Die Ausgabe enthält auch den bekannten Aufsatz „SPRACHVERWIRRUNG ZWISCHEN ERWACHSENEN UND DEM KIND“ sowie Einführungen des Herausgebers Mondrian v. Lüttichau auch zu den einzelnen Texten.

Hier der Link zum pdf:

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Sh. M. Rubin: DIE FAMILIE

DIE FAMILIE ist eine Chronik jüdischen Lebens in Europa, exemplarisch erzählt in Episoden und als Generationenfolge einer fiktiven Familie über 900 Jahre: ein Geschichtsbuch im weitesten Sinne. Es umfaßt in zwei Bänden mehr als 1000 Seiten:

Das erste Buch: TOTSCHLAG

Das zweite Buch: MORD

Trotz umfassender Bemühungen fand sich Anfang der 80er Jahre kein deutschsprachiger Verlag für das Manuskript. Stattdessen wurde eine „Sonder-Erstausgabe“ herausgegeben. Ein Teil dieser Auflage wurde an Multiplikatoren und Institutionen in der BRD gesandt – mit der Perspektive, auf diese Weise doch die Veröffentlichung in einem Verlag zu erreichen. Auch mit Zeitungsannoncen wurde auf das Projekt aufmerksam gemacht.
1987 erloschen die Bemühungen der Herausgeber. In den folgenden Jahrzehnten gab es keinerlei Öffentlichkeit im Zusammenhang mit diesem Werk. Die Identität des Autors (oder der Autorin) ist nach wie vor unbekannt. Seine oder ihre existentielle Betroffenheit an der Situation des Judentums kann nicht bezweifelt werden. Es kann wohl davon ausgegangen werden, daß er (oder sie) Jude/Jüdin ist. Kein Zweifel ist möglich an der fundamentalen judaistischen Kompetenz des Autors.

In seiner überwältigenden inhaltlichen Fülle ist Rubins Buch Mahnmal für die „Familie“ aller Juden und Jüdinnen: ihren Zusammenhang über Zeiten und Länder, über Leben und Tod: ist Klage über die immer neue Zerstörung dieses Zusammenhangs, aber ist auch Frage, inwieweit diese „Familie“ heute noch empfunden und gelebt werden kann.

Nachdem seither kein Verlag sich dieser einzigartigen Publikation angenommen hat, erscheint jetzt als einzige Wiederveröffentlichung eine ebenfalls zweiteilige Faksimileausgabe bei A+C online (zum kostenfreien Download). Dieses einzigartige literarische Werk, dessen Entstehungsgeschichte einigermaßen obskur sein und bleiben mag, ist ohne Zweifel ein seriöses, bewahrenswertes Dokument des europäischen Judentums.

Das erste Buch: TOTSCHLAG

auc-172-rubin-totschlag (pdf 34,4 MB)

Das zweite Buch: MORD

auc-173-rubin-mord (pdf 32,2 MB)

Anne Moody: ERWACHEN IN MISSISSIPPI

Anne Moody (1940 – 2015) war das älteste von acht Kindern einer afro-amerikanischen Familie in Mississippi. Das Leben war bestimmt von materieller Not. Bereits als Kind begann sie, für weiße Familien in der Gegend zu arbeiten, ihre Häuser zu putzen und deren Kindern für wenig Geld bei den Hausaufgaben zu helfen. Später absolvierte sie ein akademisches Studium am Tougaloo College. Seit dieser Zeit engagierte Anne sich beim Congress of Racial Equality (CORE), der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) und dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC). Sie nahm an einer Vielzahl von gewaltfreien Protestformen wie Märschen und Sitzstreiks teil. Als zentrale Aufgabe wurde darin gesehen, die Schwarze Bevölkerung zu motivieren, sich als Wähler*innen zur Wahl des Gouverneurs von Mississippi einschreiben zu lassen. (Freedom Summer, 1964) Dieses grundlegende demokratische Wahlrecht wurde kontinuierlich von Störmanövern, massiven Bedrohunen und bürokratischen Finessen hintertrieben. Es war den meisten Afro-Amerikaner*innen in den Südstaaten zu dieser Zeit kaum möglich, ihre begründete Angst vor der (gelegentlich auch tödlichen) Bedrohung durch die Weißen zu überwinden, um den Weg zur Wählerregistrierung zu wagen.Anne Moody berichtet in ihrer hier erstmalig seit 50 Jahren auf Deutsch wiederveröffentlichten Autobiografie umfassend vom Kampf der Bürgerrechtsbewegungen, soweit sie daran beteiligt war. Nach 1964 mußte sie sich wegen chronischer Erschöpfung (und auch Resignation) von der aktiven Arbeit in den Bewegungen zurückziehen. Sie zog nach New York. 1965-67 schrieb sie ihr hier vorliegendes Buch COMING OF AGE IN MISSISSIPPI.Anne Moody steht für den Übergang zwischen dem gewaltlosen Engagement Martin Luther Kings und vieler anderer einerseits und dem in Erbitterung und Haß auch zu Gegengewalt übergehenden Kampf von Menschen wie Angela Davis, Assata Shakur (und anderen) bzw. den Black Panthers. Dennoch hatte Moody zunehmend Zweifel an einer einseitig an der Situation der Afro-Amerikaner* innen orientierten Bürgerrechtsbewegung. Sie sagte: „I realized that the universal fight for human rights, dignity, justice, equality and freedom is not and should not be just the fight of the American Negro or the Indians or the Chicanos. It’s the fight of every ethnic and racial minority, every suppressed and exploited person, everyone of the millions who daily suffer one or another of the indignities of the powerless and voiceless masses.“ In den folgenden Jahren arbeitete Anne Moody an der privaten Cornell University Ithaka, NY., engagierte sich später auch in der Anti-Atomkraft-Bewegung und als Beraterin für das New York City Poverty Program.Anne Moodys nuancierte und unmittelbar nachfühlbare Darstellung der vielfältigen Formen sozialer Kontrolle, Diskriminierung und Unterdrückung geht weit über das Thema Segregation und Rassismus gegen die Farbigen in den USA hinaus. Diese und ähnliche Mechanismen wurden und werden zu allen Zeiten und in jeder Gesellschaft, jedem sozialen Verbund angewandt, um Menschen dem Diktat der jeweils Stärkeren zu unterwerfen, sei es auch nur zu deren situativer Bequemlichkeit: in Schulen und Kindergärten, in Arbeitsstellen, Vereinen und politischen Parteien, in Wohnheimen, Krankenhäusern, in Familien und in der Nachbarschaft. Zeugnisse wie das hier vorliegende können dazu sensibilisieren, solche Mechanismen zu erkennen, sie nicht mitzutragen, können Mut machen, Widerstand gegen sie zu leisten.Bei all den widerwärtigen Erfahrungen, die sie mit Weißen, gelegentlich aber auch mit Farbigen in Kindheit und Jugend machen mußte, blieb Anne Moodys Selbstbild das eines Menschen von eigenem Recht. Sie identifizierte sich weder mit dem Leid, das ihr angetan wurde, noch mit einer schematischen Frontstellung gegen die Weißen. Sie zeigt Menschen in ihren unvereinbar scheinenden Aspekten, legt sie nicht fest auf (moralisch bestimmte) Rollen, wie es oft geschieht in derlei Erinnerungen. Haß und Selbsthaß, Verletztsein und verletzen wird in ihrem Bericht deutlich in seinem unauflösbaren Zusammenhang. Ihre politische Autobiographie enthält eine Fülle von Einzelheiten zum Leben der Farbigen in den Südstaaten der USA in den 50er und 60er Jahren; wir lesen von Menschen, die zerrieben werden zwischen den Ideologemen, dem Haß, den Traditionen einer durch und durch zerstörten Gesellschaft, zerrieben oft auch von der Unmöglichkeit, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Seelisch zerstört sind aber auch die Weißen in dieser rassistischen Gesellschaft. –COMING OF AGE IN MISSISSIPPI erschien 1968, wurde von Anfang an hochgelobt und (in den Südstaaten) medial bekämpft, es wurde in etliche Sprachen übersetzt; in den Vereinigten Staaten ist es bis heute eines der bekannten Bücher zum Thema, bei (vor allem studentischen) Leser*innen wie in der Presse, in Fachveröffentlichungen und unter Bürgerrechtler*innen. – Der Kampf gegen die Segregation (in ihren „zeitgemäßen“ Varianten) ist in den USA noch keineswegs beendet.Auf Deutsch erschien das Buch 1970 (S. Fischer) sowie 1971 in der DDR (Verlag Neues Leben), jeweils in der Übersetzung von Annemarie Böll, mit Vorwort von Heinrich Böll. Eine Taschenbuchausgabe bei S. Fischer von 1972 sollte dann für 50 Jahre die letzte deutsche Ausgabe des Buches sein, – bis zu der hier vorliegenden kostenfreien online-Veröffentlichung (Text und Übersetzung weitestgehend nach der früheren Ausgabe) beim Verlagsprojekt Autonomie und Chaos.Die Neuausgabe enthält als Anhang das Script eines Interviews, das Anne Moody 1985 gab; es handelt auch von ihrem Leben in den 10 Jahren seit Erscheinen ihrer politischen Autobiografie.

Hier der Link zur Neuausgabe (kostenlos herunterladen als pdf):

https://autonomie-und-chaos.de/images/pdf/auc-164-moody-a.pdf

Victor Kravchenko: Als Funktionär im sowjetischen Stalinismus

(„I Chose Freedom“, 1946)

Victor A. Kravchenko wurde geboren am 11. Oktober 1905 in Jekaterinoslaw (heute Dnipro/Ukraine); er starb am 25. Februar 1966 in Manhattan. Er war ein sowjetischer Ingenieur und späterer Handelsdiplomat in Washington, D.C., der dort 1944 um politisches Asyl gebeten hatte. Sein 1946 veröffentlichtes Buch I CHOSE FREEDOM war das erste umfassende Zeugnis zur terroristischen Bürokratie des sowjetischen Stalinismus jener Zeit. Es erregte weltweites Aufsehen und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Für Menschen in westlichen Ländern, die damals oft in gläubiger Unbedingtheit an ihrem Ideal einer fortschrittlich menschenwürdigen Sowjetgesellschaft hingen, bedeutete Kravchenkos Zeugnis Skandal und Tabubruch – wogegen eine Vielzahl auch prominenter Intellektueller und Künstler mit allen Mitteln der medialen Öffentlichkeit Einspruch erhob. In einer kommunistisch orientierten französischen Zeitung erschien ein diffamierender Artikel, in dem nicht nur die Aussagen des Kravchenkobuches insgesamt bestritten, sondern auch der Autor in jeder nur möglichen Weise persönlich diffamiert wurde. Deshalb verklagte Kravchenko die Zeitung wegen Verleumdung. In einem ebenfalls aufsehenerregenden Prozeß (1949) wurde monatelang gestritten – nicht eigentlich um ein Buch oder Kravchenkos Persönlichkeit, sondern um die Situation im sowjetischen Staat!
Victor Kavchenkos Zeugnis in Verbindung mit dem von ihm angestrengten Prozeß (den er gewann) lenkte erstmals die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die menschenverachtenden, die mörderischen Zustände in der stalinistischen Sowjetunion.

Spätestens nach dem russischen Überfall auf die Ukraine läßt sich die Frage nicht verdrängen, inwieweit es innere Verwandtschaften geben könnte zwischen dem sowjetischen Stalinismus (auch der Zeit nach Stalin) und dem von Wladimir Putin bestimmten aktuellen politischen System in Rußland. Ich meine, wir (im Westen) sollten uns bemühen, mehr zu verstehen von unserem Nachbarn Rußland, von der Entwicklung der russischen Gesellschaft, vom Lebensgefühl und Lebenssituation auch der dörflichen und kleinstädtischen Bevölkerung dieses größten Flächenstaates der Welt, um von daher den an der Entwicklung einer demokratischen Zivilgesellschaft in Rußland Interessierten solidarisch die Hand reichen zu können.

Kravchenkos Buch I CHOSE FREEDOM erschien auf Deutsch 1947 in Zürich, zwei Jahre später kam eine Ausgabe in Hamburg heraus, dann war Schweigen in der ja keineswegs kommunistenfreundlichen jungen BRD. Auf dem Hintergrund der kollektiv verdrängten NS-Vergangenheit tat sich die westdeutsche Öffentlichkeit möglicherweise besonders schwer damit, über eine menschenverachtende, terroristische Diktatur nuancierter nachzudenken.
Die hier vorliegende Ausgabe beim Verlag Autonomie und Chaos (2023) ist die einzige deutschsprachige Wiederveröffentlichung des Buches. (Demgegenüber gibt es zwei englische und eine französische Wiederveröffentlichungen.)

Der Anhang der vorliegenden Veröffentlichung enthält neben der Übersicht zum zweiten Buch einen Aufsatz des Historikers Sebastian Voigt (zur Bedeutung des Kravchenkoprozesses für die Dissidentin und GULAG- wie KZ-Überlebende Margarete Buber-Neumann), Exzerpte aus Veröffentlichungen von Swetlana Alexijewitsch (zur Situation im nach-sowjetischen Rußland) sowie von Arthur Koestler (einem seinerzeit prominenten Dissidenten). Von einer russischen Website stammt Alex Klevitskys Bericht zu Victor Kravchenkos nachgelassenem Archiv . Die Literaturliste enthält vor allem Hinweise zu autobiographischen und belletristischen Werken russischer und sowjetischer Autor*innen; auch auf Dokumentationen zu Kravchenkos Prozeß sowie andere Arbeiten zum Thema Stalinismus wird im Anhang hingewiesen. Die Neuveröffentlichung enthält außerdem Fotos aus dem Prozeß sowie ein Nachwort des Herausgebers (MvL), in dem mögliche Kontinuitäten der russischen Gesellschaft (von der Zarenzeit bis zum Putin-Regime) zur Diskussion gestellt werden.

Direktlink zum pdf:

Walther Küchler: ARTHUR RIMBAUD / BILDNIS EINES DICHTERS

Die Rimbaudübersetzungen Walther Küchlers, erschienen 1946, werden bis heute nachgedruckt (derzeit bei S. Fischer), seine 1948 publizierte Monographie wird hier erstmalig wiederveröffentlicht. Küchlers philologisch fundierte Rimbaud-Übertragungen sind hilfreich beim Bemühen, den französischen Text zu lesen. Affektive und poetische Authentizität kommt jedoch bei Küchlers Versionen gelegentlich zu kurz. Seine Monographie bildet dazu eine glückliche Ergänzung! Hier stellt der Autor nuanciert und tiefgründig dar, wie er selbst das über die Worte Hinausgehende bei Rimbaud wahrgenommen hat. Sie erst zeigt Küchlers affektive, poetische, spirituelle Einfühlung in Rimbauds Seelenwelt, die gleichwohl Grundlage auch der Übertragung des Werkes war, – wo Küchler sich jedoch dem Prokrustesbett der philologischen Redlichkeit anschmiegen wollte.

„Wenn man Rimbaud am nächsten kommen will, muß man sich dem einsamen Wanderer, der er war, nähern und ihn bitten, ihn im Geist begleiten zu dürfen.“ (W.K.)

Der Romanist und Literaturwissenschaftler Walther Küchler (1877–1953) wurde bekannt auch für seine Übertragungen sämtlicher Dichtungen François Villons sowie der Prosadichtungen Baudelaires. Monographien erschienen auch über Molière und Ernest Renan. – 1933 versetzten die Nationalsozialisten ihn in den vorzeitigen Ruhestand.

Die Neuausgabe enthält einige Abbildungen, ein Nachwort des Herausgebers sowie einen Anhang mit folgenden Beiträgen:

  • Arthur Rimbauds Brief an Jules Andrieu (1874)
  • Hermann H. Wetzel: Chant de guerre parisien als Beispiel engagierter Dichtung
  • Roger Gilbert-Lecomte: Après Rimbaud la mort des arts
  • Dieter Wyss: Rimbaud und der Surrealismus
  • Thomas Bernhard über Arthur Rimbaud (1954)
  • Greta F.: Junkie
  • Patti Smith: An Rimbauds Grab
  • Arthur Rimbaud: UNE SAISON EN ENFER (1873) (Faksimile)

Neu erschienen bei AUTONOMIE UND CHAOS Berlin zum kostenlosen Download:

auc-146-kuechler-rimbaud (pdf 4,5 MB)

Arthur Rimbaud: Brief an Jules Andrieu (1874)

Erst 2018 kam dieser Brief Arthur Rimbauds (vom 16. April 1874) in die Öffentlichkeit.

Er wird unter französischen Rimbardiens als missing link zwischen Rimbauds poetischer Lebensphase (einschließlich der später unter dem Titel I LLUMINATIONS zusammengefaßten Prosagedichte) und derjenigen des Abenteurers und Geschäftsmanns in Afrika gewertet. Adressat war Jules Andrieu (1838-1884), Mitglied der Commune de Paris (1871), Pädagoge, Journalist und Dichter, Autor zahlreicher Bücher. Nach der Niederschlagung der Kommune floh Andrieu nach London.

Als Rimbaud (und Verlaine) im September 1872 zum erstenmal in London waren, nahmen sie Kontakt mit Andrieu auf. Zu einem kleinen Netzwerk um Andrieu gehörten einige Freunde und Bekannte von Rimbaud und Verlaine. Auch während seines zweiten Besuchs in London war Rimbaud mit Andrieu in Kontakt (Brief an Verlaine 7. Juli 73). Nach Erinnerung von Arthurs engstem und lebenslangen Freund Ernest Delahaye hielt Andrieu Rimbaud für einen „Bruder im Geist“. Der Rimbaudforscher Frédéric Thomas sieht als Gemeinsamkeiten zwischen Rimbaud und Andrieu, für die Entsprechungen in Andrieus Veröffentlichungen und Rimbauds Werk zu finden sind: „die Themen Einheit und Harmonie, die Kritik des Fortschrittsmythos, die Dialektik von Gewalt, Gesetz und Wille, eine Menschenwissenschaft, eine praktische Wissenschaft des Lebens, die Philosophie und Geschichte, Wissenschaft und Kunst verschmelzen würde und die auf Moral beruhen würde. Die beiden Männer teilten den Wunsch nach einer globalen Erneuerung, das aus einer Neuinterpretation der griechischen Kunst geschöpfte Bedürfnis, ihre Worte zu erneuern sowie Poesie in Zusammenhang mit öffentlicher Aktion.“

Dieser lebens- wie werkgeschichtlich bedeutsame Brief wird (als Faksimilie, in Transkription sowie in deutscher Übersetzung [Petra Bern]) dokumentiert mit ausführlichen Hinweisen in der 2021 erschienenen Ausgabe

Arthur Rimbaud: Briefe und Dokumente (Übersetzer Curd Ochwadt), erweiterte Neuausgabe im Verlag Autonomie und Chaos Leipzig/Berlin

Die Ausgabe ist kostenfrei herunterladbar unter: https://autonomie-und-chaos.de/images/pdf/auc-145-rimbaud-briefe-dokumente.pdf

Arthur Rimbaud: BRIEFE UND DOKUMENTE

Die hier in einer erweiterten Ausgabe wiederveröffentlichte kommentierte Übersetzung der meisten und wichtigsten Briefe des französischen Dichters Arthur Rimbauds (sowie von Dokumenten zu seinem Leben) erschien ursprünglich 1961 im Verlag Lambert Schneider, Heidelberg.

Der Übersetzer Curd Ochwadt schreibt in seinem Nachwort: „Rimbauds Briefe, auch die späten, müssen in aufmerksamem Hinüber- und Herüberblicken mit seinen Dichtungen zusammen gelesen werden. Denn die Briefe bieten einen ausgezeichneten Zugang zu Rimbauds eigenem Verständnis seiner Dichtung und verhelfen damit zu einer angemessenen Annäherung an diese. Andererseits ist bei wenigen Dichtern das Dasein im Ganzen so sehr vom Geschick ihrer Dichtung bestimmt wie hier — Sensation und Mythus um Rimbaud haben das bisher nur verdeckt. Darum öffnen sich auch die Briefe erst dem, der beachtet, in welchem Maße die in der Werkhinterlassenschaft niedergelegte Erfahrung das Dasein dieses Briefschreibers beherrschte.“

Die vorliegende Neuausgabe wurde ergänzt durch Erinnerungen der Schwestern Vitalie und Isabelle Rimbaud (ebenfalls in Ochwadts Übertragung), Faksimile-Abbildungen und französische Transkriptionen von Briefen, die ausführliche Dokumentation des neuentdeckten bedeutsamen Briefes an Jules Andrieu (1874) (Übersetzung Petra Bern für A+C) sowie durch Abbildungen und einige Hinweise des Herausgebers. Sie steht im Zusammenhang mit einer Reihe Arthur Rimbaud bei Autonomie und Chaos, zu der noch weitere fünf Wiederveröffentlichungen gehören, die 2021 und 2022 erscheinen (werden).

Kostenlos herunterladbare online-Ausgabe: https://autonomie-und-chaos.de/images/pdf/auc-145-rimbaud-briefe-dokumente.pdf