Berlin im Juli 1945

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Heinrich Hauser: Berlin 1935

Sollte es sich mit Berlin nicht vielleicht umgekehrt verhalten wie mit anderen Großstädten, nämlichso, daß seine enorme Ausdehnung nicht der Reichtum des Nährbodens, sondern im Gegenteil seine Armut begründet? Daß der geringe Ertrag dieses Bodens die Einbeziehung immer neuer Bodenstücke erfordert? Hat nicht Berlin nomadenhaften Charakter? Ist nicht die Stadt dauernd auf der Wanderschaft, Umzug in Permanenz? Ist es nicht typisch für Berlin, daß sein Schwerpunkt sich andauernd verschoben hat und verschiebt? Verfallen nicht alte Quartiere genau so schnell wie neue emporblühen? Sind nicht der Bauzaun und die aufgerissenen Straßen die Wahrzeichen Berlins? Könnte man nicht die ganze Stadt auffassen als ein ungeheures Nomadenlager, das man abbrechen und an anderer Stelle wieder aufbauen kann?

(…) Vor ein paar Jahren kannte ich in dieser Gegend noch eine ganze Reihe von versteckten Seen, an deren Ufer kaum je ein Sonntagsausflügler sich verirrte. Heute hat die Bodenspekulation alle diese „Objekte“ mit Beschlag belegt. Sie führt ihre Seen in Zeitungsanzeigen anpreisend vor, wie ein Zirkus seine Löwengruppen: als merkwürdige Raritäten für die Großstäder. Die Spekulanten teilen die Ufer in die schmalen Handtuchstreifen ihrer Parzellen auf, um ja den größten Verkaufswert durch möglichst viele „Wassergrundstücke“ zu erzielen. Sie umzäunen das freie Land, das man jetzt nur noch unter dem Joch ihrer Triumphtore betreten kann, vorbei an Kassenhäuschen und Auskunftsbüros. Mit Trompetengeschmetter, mit Freifahrt in Autos, mit Freikaffee und Umsonst-Kuchen, mit wehenden Fahnen und bestellten Lobpreisungen aller Art werden Kunden „gefangen“.

Heinrich Hauser: ‚Fahrten und Abenteuer im Wohnwagen‘ (Dresden 1935; Neuausgabe Stuttgart 2004, Seite 42-43)

ETA HARICH-SCHNEIDER: Cembalistin, Japanologin

Zuerst war Eta Harich-Schneider (geboren 1897) Konzertpianistin. Cembalounterricht nahm sie bei Wanda Landowska, konzentrierte sich jedoch bald (entgegen ihrer Lehrerin) auf historische Instrumente (ohne Eisenrahmen) und auf Alte Musik. Durch Konzerte wie auch Veröffentlichungen wurde sie zur Protagonistin der heutigen historischen Aufführungspraxis. Sie unterrichtete an der berliner Staatlichen Akademischen Hochschule für Musik, machte Konzerte, Platten- und Rundfunkaufnahmen, organisierte über Jahre ihr Collegium für Alte Musik, eine Konzertreihe, die ab 1933 in dem berliner Schloß Monbijou stattfand. Lange Zeit hielt sie dem jetzt einsetzenden politischen Druck stand, keine Juden für ihre Veranstaltungen zu engagieren. In ihren Lebenserinnerungen ‚Charaktere und Katastrophen‘ (Berlin 1978) schildert sie detailliert die schrittweise Machtübernahme von Nazis, Naziparteigängern und Nazikarrieristen. Mit luzider Intelligenz stellt sie Intrigen und taktische Winkelzüge nicht zuletzt auch von Musikerkollegen dar. Bis 1941 versuchte Harich-Schneider, mit rechtsstaatlichen Mitteln gegen derlei vorzugehen. Dann war es der Gegenseite gelungen, sie aus ihren fachlichen Funktionen im Umkreis der Musikhochschule zu vertreiben.

1941, während einer Konzerttournee nach Japan, wird sie von Freunden beschworen, nicht wieder nach Deutschland zurückzugehen. Sie erhält die Möglichkeit für dauerhafte Unterrichtstätigkeit in Japan, sowie für Konzerte. Wie schon in Berlin, hat sie in Japan Umgang mit Funktionären des NS-Deutschland wie mit Antifaschisten.

Eta Harich-Schneider hat Menschen wohl sehr unpolitisch beurteilt; im Vordergrund standen für sie musikalische Bildung und kulturelle Feinfühligkeit, letztlich orientiert an ihren eigenen künstlerischen und forscherischen Lebensaufgaben. So hatte sie bis ans Lebensende Freunde bei Rechten wie Linken (vom NS-Juristen Carl Schmitt bis zum sowjetischen Spion Richard Sorge). In einer Mischung aus Mut, Dickköpfigkeit, Ignoranz und Naivität hat Harich-Schneider offenbar lebenslang ihren eigenen fachlichen wie menschlichen Standpunkt verteidigt, ignorant insofern, als sie nur das gesehen hat, was sie sehen wollte! Diese Egozentrik hat ihre gesellschaftliche Position in vieler Hinsicht keineswegs erleichtert, aber sie dürfte der Preis gewesen sein für eine kaum glaubliche Lebensleistung – als alleinstehende Frau, Mutter zweier Töchter.

In Japan lernt Harich-Schneider Japanisch – und entdeckt die historische, buddhistische und shintoistische japanische Musik! Sie, die Katholikin, lernt die Instrumente, die Zeremonien, kopiert alte japanische Aufzeichnungen – und wird im Laufe der nächsten 20 Jahre zur ersten nichtjapanischen Forscherin dieser musikalischen Traditionen. Ihr japanologischen Veröffentlichungen sind bis heute Referenzwerke.

Daneben laviert sie auch hier, in Japan, zwischen den politischen Fronten, – immer orientiert an menschlicher Achtsamkeit, an kultureller und musikalischer Differenziertheit und daran, ihre Kenntnisse und Erfahrungen zu erweitern und sie zu vermitteln.

Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte mit dem deutschen Journalisten Richard Sorge, von dessen eigentlicher Tätigkeit als russischer Spion sie weiß. Hautnah erlebt Eta Harich-Schneider die Zerstörung japanischer Städte durch die Luftangriffe der US-amerikanischen Armee. Zeitweise hat sie jetzt offenbar mehr Kontakt mit Japanern als mit Europäern.

1945 der Kriegsverbrecherprozeß in Japan. Eta Harich-Schneider steht wiederum zwischen den Fronten, – tritt ein für bestimmte japanische Angeklagte, die sie als schuldlos ansieht.
Anschließend beginnt auch in Japan ein allgemeiner Kampf um neue Machtpositionen. Ehemalige Nazis profilieren sich neu, tatsächliche Antifaschisten prangern Nazis an (oder Menschen, die sie für Nazis halten – darunter Harich-Schneider), persönliche Rechnungen werden beglichen. Vor allem wird versucht, sich bei der neuen Macht in Japan, den Amerikanern, Einfluß zu verschaffen. – Eta Harich-Schneider referiert diese Kakophonie in derselben Nunanciertheit, in der das ganze Buch geschrieben ist. (Grundlage der Memoiren waren ihre lebenslang verfaßten Tagebücher.) Abscheu, Ekel vor Dilettantismus, Oberflächlichkeit,Trägheit des Herzens, Feigheit, Mitläuferei: dadurch dürfte sie es sich in jeder Lebenssituation unbeliebt gemacht haben bei der Mehrzahl ihrer Mitmenschen!

Unmöglich, auch nur die wesentlichsten Phasen dieser Auseinandersetzungen und situativen Fronten zwischen US-Behörden, Japanern und Deutschen zu referieren, Intrigen wie menschlich beglückende Momente, die sich in den nächsten Jahren anschließen. – Dies hat, im Hinblick auf Eta Harich-Schneider, allerdings eine gewichtige Kehrseite. In ihrer bereits erwähnten Naivität (oder Ignoranz) fordert sie in den Jahren nach 1945 in aller Selbstverständlichkeit überall auf der Welt gleichberechtigte Achtung vor „Deutschland“! Sie fühlt sich als Deutsche in der Tradition von Bach und Goethe; – die Nazis haben für sie mit diesem Deutschland offenbar nichts zu tun. Menschliches Leid nimmt sie zur Kenntnis bei „armen Deutschen“, bei Japanern, bei ihr persönlich bekannten Menschen – aber im ganzen Buch kein Wort zum Genozid an den Juden! Die Frage muß erlaubt sein: Hätte Eta Harich-Schneider sich in irgendeiner Weise am Nationalsozialismus gestört, falls dieser sie hofiert hätte als Künstlerin, und falls er zudem die musikalisch bedeutenden jüdischen KünstlerInnen in ihrer Umgebung „geschont“ hätte?

Die Einreise nach Deutschland ist aufgrund des Besatzungsstatus zunächst nicht möglich. 1949/50 hat Eta Harich-Schneider in den USA einen Lehrauftrag. 1950 nimmt eine ihre beiden Töchter, die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff, sich in Berlin das Leben. Jetzt setzt sie ihre Rückkehr nach Deutschland durch. (Auch zu familiären Umständen steht manches in den Memoiren und ließe sich spekulieren; – dieses Thema möchte ich hier jedoch aussparen.)

Ihr Hoffnung, in Berlin wieder ihre frühere Professur an der Musikhochschule angeboten zu bekommen, war naiv. Die anfänglich bekundete Freude etlicher Musikfunktionäre und Musiker schlägt mindestens in kühle Distanz um, sobald deutlich wird, daß Harich-Schneider in Deutschland bleiben möchte. Es geht um Pfründe, es geht um Positionen – damals wie jetzt, hier wie dort. (Ihre diesbezügliche Darstellung korrespondiert übrigens eng mit Aussagen der Remigranten Fritz Kortner und Max Horkheimer.)
Eta Harich-Schneider fühlt sich wiederum aus Deutschland vertrieben. Ein Guggenheim-Stipendium ermöglicht ihr die Aufnahme eines Studiums der Japanologie in New York an der New School for Social Research. Allerdings stellt sie für diese Zeit in den USA auch fest: „Fernost war in. Es war zum Kotzen.“ (S.381) In dieser Zeit beginnt die freundschaftliche und musikalische Zusammenarbeit mit John Cage. 1953 geht sie zurück nach Japan zur musikwissenschafltichen Feldforschung, woraus ihre japanologische Doktorarbeit entstand. In einer kleinen Veröffentlichung bewahrte Harich-Schneider die Balladen der Goze, blinder Straßensängerinnen in Nordjapan.

In diese Zeit fällt 1954 ihre Berufung an die Musikakademie Wien – allerdings für das Fach Cembalo.

1956 USA-Tournee, bei der sie in verschiedenen Hochschulen und Veranstaltungen die Ergebnisse ihrer Forschungen zu ostasiatischer Musik vorstellt. (Im Publikum auch Rosalyn Tureck.) Am Ende steht der Vertrag für ihre großangelegte ‚History of Japanese Music‘. Aber auch hier wieder die institiutionalisierte Ausnutzung; so überläßt sie der Library of Congress Tonbänder zur wissenschaftlichen Auswertung, um dann einige Zeit später zu erfahren, daß diese zur Grundlage einer kommerziellen Veröffentlichung wurden. Derlei geschieht oft, aber nur selten hat jemand die Kraft (und den Mut), etwas davon detailliert, mit Namensnennung, zu dokumentieren.

1957 eine weitere Forschungsreise nach Japan, deren Ergebnisse nuanciert erwähnt werden. Selbst wenn solche Passagen für uns Laien unverständlich bleiben müssen, verdeutlichen sie Harich-Schneiders gleichermaßen wissenschaftlich-präzise wie sinnlich-emotionale Achtsamkeit, ihr zweifellos existenzieller Engagement gerade für die alte japanische Kultur wie auch für die europäische Alte Musik. Ihre Erinnerungen leben nicht zuletzt aus einer nicht abreißenden Fülle von klugen Einzelbeobachtungen, kleinen Naturschilderungen, sozialen Situationen, Personenskizzen, kulturellen und religiösen Eindrücken; unverkennbar sind allerdings auch feinziselierte Selbstinszenierungen der Autorin. (‚Zärtliche Welt – François Couperin und seine Zeit‘ heißt eines ihrer frühen Bücher; in jene Welt hätte wohl auch sie eher gehört als in unsere!)

Neben viel Anerkennung setzte sich nach 1945 eine fast konsequent erscheinende Diskreditierung der Künstlerin und Forscherin fort. Dies einerseits durch akademische, nicht feldforschende Musikwissenschaftler und Japanologen und andererseits durch den offenbar weiterhin virulenten Umkreis von Fritz Stein, während der NS-Zeit Direktor der berliner Musikhochschule. „Eine deutsche Forscherin, freischaffend, alleinstehend, ohne den Schutz einer Universität, hatte damals nicht die geringste Chance“, schreibt Harich-Schneider (S.405) über die internationale Situation und, bezüglich der Querelen in Westdeutschland: „Die an meiner Verjagung Schuldigen hatten dafür gesorgt, daß ich aus dem offiziellen deutschen Musikleben ausgelöscht worden war und große Institutionen und einflußreiche Gruppen mich ächteten. Das einheitliche Motiv war erkennbar: Furcht vor Enthüllung schuldhafter Handlungen, Furcht vor der Mitwisserin früherer Untaten.“ (S. 401) – Diese Auslöschung war weitgehend erfolgreich bis heute! Zwar sind Eta Harich-Schneiders Arbeiten als Japanologin und Musikwissenschaftlerin bis heute Referenzwerke, aber niemand weiß noch von der einst weltbekannten Cembalistin und Pianistin. Keine ihrer nicht wenigen Schallplatteneinspielungen sowohl von westlicher Alter Musik und Klassik, aber auch von Tonaufnahmen traditioneller japanischer und buddhistischer Musik ist noch im Handel. Auch Mitschnitte von Radiokonzerten dürften in Archiven schlummern.

Ein in seiner exemplarischen Differenziertheit besonderes und deprimierendes Kapitel ist die Darstellung des Entschädigungsprozesses wegen der NS-Verfolgung, vor einem berliner Senatsausschuß bzw. vor dem berliner Landgericht. Für sich selbst geht es Eta Harich-Schneider vorrangig um die Wiedereinsetzung in ihre Professur an der berliner Musikhochschule. Die geschilderten taktischen Argumentationen der „Gegenseite“ erinnern vorbehaltlos an diejenigen von Angeklagten in den verschiedenen Prozessen gegen NS-Täter: Ich kann mich nicht erinnern, habe mit der Person hier persönlich nie zu tun gehabt, der Fall ging nur über meinen Schreibtisch usw. – Ein Ministerialrat im westberliner Entschädigungsamt (S. 425): „Kein Mensch bestreitet, daß Sie kein Nazi waren. Aber wieso haben Sie überhaupt Widerstand geleistet? Tat Ihnen doch kein Mensch was! Sie waren doch arisch!“ Bittgänge zum Reichsjustizminister Gürtner (für den inhaftierten P. Ignatius Theodor Eschmann OP) werden vom berliner Innensenator als Indiz für Harich-Schneiders Nähe zum NS-Regime gewertet. –

Die beiden Ermittlungsverfahren wurden 1962 eingestellt; sie hatten die Unwahrheiten der damaligen Schreibtischtäter bestätigt, Vorsätzlichkeit aber nicht beweisen können. Nach einem ebenfalls erfolglosen Prozeß beim berliner Kammergericht wagt Harich-Schneider, unterstützt von Weggenossen und Freunden, die Revision vor dem Bundesgerichtshof. Diese fällt zu ihren Gunsten aus; mittlerweile sind wir im Jahr 1969. Gerügt wurde das Kammergericht wegen „Unklarheit der tragenden Feststellungen“. Außerdem betonte der BGH, daß, wenn überhaupt ein nazistischer Beweggrund bei der damaligen Kündigung im Spiel gewesen sei, „die einfache Mitursächlichkeit für eine Entscheidung zu Gunsten der Klägerin genügt“. (S. 437) Der Rechtsstreit geht zurück ans berliner Kammergericht; dies entscheidet wiederum gegen Harich-Schneider, läßt eine Revision jedoch nicht mehr zu! Der nach mehreren Augenoperationen halbblinden 73jährigen Klägerin hätte jetzt nur noch eine Anrufung des BVerfGer offengestanden.

In den 70er Jahren macht Harich-Schneider neben der Unterrichtstätigkeit in Wien (prominente Cembalo- bzw. Clavichordschüler sind Christiane Jaccottet und René Clemencic) Konzertreisen und Workshops in Jugoslawien, Irland, der DDR, Westberlin und Hamburg, in Santiago de Compostella (Spanien). 1977 ist sie für drei Wochen auf Staatseinladung in Japan, wo ihr vom japanischen Kronprinzen ein hoher Orden verliehen wird. 1986 stirbt Eta Harich-Schneider. – In der deutschen Musikwelt ist sie vergessen, bis heute.

Berliner Links II

http://andberlin.com/
Lesenswerter blog eines US-amerikaners, der seit 2011 in berlin lebt.

http://www.hobbyuo.de/Start.htm
Eine liebevolle private website eines urberliners mit fotos von berlin, potsam und aus brandenburg.

http://adressbuch.zlb.de/searchResultAdressbuch.php?CatalogName=adre2007&CatalogCategory=adress
Wer hätte geahnt, daß es die berliner adreßbücher der jahre 1799-1943 noch gibt und daß sie einsehbar sind?!

http://berliner-unterwelten.de/
Die „Gesellschaft zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten“ – natürlich in berlin! – veanstaltet regelmäßig führungen.

http://bernd-markmann.de.to/
Und noch eine private website, diese mit dem schwerpunkt DAS ALTE BERLIN. „Liebevoll“ ist auch hierfür eine angemessene beschreibung!

http://www.kojote-magazin.de/
„Deutschlands seriösestes Nachrichtenmagazin“ kommt auch aus berlin.

http://www.fabrik-osloer-strasse.de/index.html
Die FABRIK OSLOER STRASSE im wedding ist ein wichtiges kulturelles zentrum, entstanden aus der besetzung eines leerstehenden fabrikgeländes.

http://www.mauerfotos.de/index.php4?TEMPLATE=index_de
Eine sammlung von über 500 fotos der berliner MAUER, entstanden als privates projekt von matthias hoffmann seit 1984. Unprätentiös – so, wie es westberliner alltag war. Mit präzisen und persönlichen kommentaren (auch von besuchern der website), mit praktischen auswahlmöglichkeiten.

http://gleisdreieck-blog.de/
Das gleisdreieck an der yorckstraße war ein geradezu mythischer platz in westberlin. Industriebrache, biotop, ort für manche geheimen zusammenkünfte. Seit 20 jahren wurde gegen die schrittweise zerstörung vor allem des biotops gekämpft, meist erfolglos. Aber der kampf gegen bürokratie und kommerzielle interessen geht weiter.

http://www.gruen-berlin.de/gesellschaft/
Die GRÜN BERLIN GmbH steht beim gleisdreieck auf der anderen seite: Grünflächenplanung im auftrag des senats. Projekte, veranstaltungen, landkarten, infos.

http://www.hoffmannsatelier.de/index.htm#1
Sven hoffmann macht aus fotos (meist von stätten in berlin) surreale unikate.

http://www.iheartberlin.de/de/about/
I HEART BERLIN – fünf junge leute machen diesen blog, weil sie berlin lieben. Läden, restaurants, bars, galerien, theater, plätze und menschen werden in wort & bild vorgestellt.

http://www.kiez-kompakt.de/panorama
Ein internet-portal aus und für treptow-köpenick, mit infos, texten und videofilmen. Sehr bürgernah!

http://dorotheaminkels1950.jimdo.com/meine-b%C3%BCcher/
Margret dorothea minkels ist sowas wie eine liebhaber-historikerin, die akribisch recherchierte und kreativ angelegte bücher über den tierarzt friedrich ludwig urban (ein berliner original und barrikadenheld während der revolution 1848) sowie über elisabeth v. preußen und das Neue Museum geschrieben hat, einen bebilderten tatsachenroman über die revolution 1848 und eine biografie über den malenden berliner polzeipräsidenten julius v. minutoli (während der revolutionszeit). Eine überraschende autorin!

http://www.paul-reimert.com/d/galerie01.htm
Der künstler paul riemert macht kaleidoskopische, aber im grundsätzlichen realistische skulpturen aus keramiksplittern. Er sitzt in seinem kleinen atelier-laden am anfang der falckensteinstaße und die nachbarn bringen ihm zerbrochenes porzellan vorbei.. und sein galerist ist in holland.

http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Berlin
Auch das berlin-portal von WIKIPEDIA eignet sich sehr gut zum stöbern!

http://www.zeitzeugenboerse.de/index.html
Zeitzeugen zur berliner geschichte! Interviews, veöffentlichungen, vermittelung für veranstaltungen..

Sven Hoffmann (Berlin) – BURN ART

Oberbaumbrücke_SvenHoffmann

Strukturen des Lebens
offenbaren ihren Zauber.
Natur zeigt sich als Schöpfung.

Die Fotografie
entreisst ein Stück Wirklichkeit
der Komplexität des Seins
und dem Strom der Zeit.
Sie gilt als Zeugnis der Wahrheit,
in der der Fokus des Betrachters und
der Zufall des Augenblicks
schöpferisch zusammenprallen.
BurnArt ist mein Angriff
auf diese Gewissheit.
Ein Lustmord am Faktischen
und eine Befreiung aus der Starre.

Kunst entsteht,
wenn der Blick des Künstlers
dem Blick des Betrachters
im geschaffenen Werk
begegnet.
Ohne den Blick des Künstlers
bleibt die Welt
Banalität des Alltags.
Und ohne den Blick des Betrachters
bleibt die Dimension der Kunst
eine leere Behauptung.
Neue Sichtweisen
verändern die Welt.
Dies schafft der Künstler
nur mit seinem Publikum.
S. H.

In sven hoffmanns atelier (http://www.hoffmannsatelier.de/) entstehen aus fotografien unikate – und gerade seine berlinbilder zeigen viel von dem irisierenden unserer stadt, das stete werden & vergehen – und zugleich das bergende, geschlossene, zusammengehörige, das genausosehr BERLIN ist. „Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen“ (schrieb adorno). Hier eines der BURN ART-bilder von der oberbaumbrücke, dem symbol des neuen bezirks friedrichshain-kreuzberg. Danke, daß ichs hier integrieren durfte!
[zur vergrößerung: klick ins bild!]

Maria Elisabeth Mangelsdorff (1726-1811) aus Zabakuck und die Folgen

MangelsdorffTreskowFriedrichsfelde

Maria Elisabeth Mangelsdorf(f) wurde 1726 in Zabaku(c)k, Westhavelland als Tochter des Leinewebers Ludwig Mangelsdorf aus dessen zweiter Ehe mit Katharina Kaesten geboren. Das genaue Datum ist unbekannt, da die Kirchenbücher von Zabakuk durch einen Brand verloren gingen. Maria Elisabeth hatte aus erster Ehe ihres Vaters eine Halbschwester Regina sowie drei weitere Geschwister aus zweiter Ehe, Hans Christoph Ludwig, Nikolaus und Johann Christoph.
Die Herkunft sowie das Geburtsdatum des Vaters sind nicht bekannt. Er starb in Zabakuk am 21.3.1731. Ort und Datum der ersten Eheschließung mit Eva Rosina Meermann waren nicht zu ermitteln. Seine erste Frau starb am 24.9.1718 in Zabakuk. Am 14.2.719 heiratete er in Zabakuk Katharina Kaesten, welche aus Parchen stammte. Ihr Geburtsdatum ist ebenfalls nicht feststellbar. Sie starb in Zabakuk am 18.10.1766, nachdem sie sich am 6.12.1731 in Zabakuk mit Clemens Bleckstein zum zweiten Male verheiratet hatte. Nach dieser Heirat fand eine Erbauseinandersetzung am 6. Februar 1736 statt. Nach den Gerichtsprotokollen von Zabakuk, Band 1713-1742, verpflichtet sich der Leineweber Clemens Bleckstein
a. „seine Stiefsöhne Hans Christoph Mangelsdorff und Nikolaus Mangelsdorf das Leineweber-Handwerck ohne Entgelt erlernen zu lassen und sie dabey nothdürftig zu alimentieren, wobey jedoch noch accordiret worden, daß die Stief Söhne ihres seel. Vaters nachgelassene musicalische Instrumenta samt seiner Kleidung behalten sollen,“
b. „seiner Stieftochter Maria Elisabeth Mangelsdorff, wann sie demnächst zu Ehren schreitet, 8 rthlr. zu entrichten und überdem derselben ein Ober- und Unterbette, einen Pfühl und drey Küssen mit doppelten Überzügen, auch 3 Bettlacken, 3 Tischtücher und drey Handtücher zu geben.“
Der dritte Stiefsohn, Johann Christoph, wird hier nicht erwähnt, da er bereits am 20.12.1733 verstarb.

Irgendwann zwischen 1749 und 1751 finden wir Maria Elisabeth Mangelsdorf(f) als Haushälterin von Albert (auch Albrecht) Sigismund Friedrich von Tresckow (1717-1767), zunächst in Milow (einem Treskow gehörenden Gut), später in Halberstadt. – Am 24.8.1752 wird in der Liebfrauenkirche zu Halberstadt Maria Elisabeths Tochter Luise Helene Christine getauft; es gibt den Vermerk „unehelich“ und drei Paten. – Am 16.3.1756 wird ihr Sohn Sigismund Otto Joseph zu Milow geboren und am 19. in der dortigen Kirche getauft. Auch sein Taufschein sagt vorerst noch nichts vom Vater des Kindes, doch fehlt hier schon das Wort „unehelich“ beim Kind bzw. „unverehelicht“ bei der Mutter. – 1760 wird ein weiterer Sohn auf den Namen Johann Ernst Arnd Eusebius getauft, wiederum in der Liebfrauenkirche zu Halberstadt.

Reinhard v. Treskow schreibt 1911 in einer kurzen Chronik (bezugnehmend auf Dokumente, die teilweise heute verloren sind!) zur letztgenannten Eintragung: „Mit ganz anderer Tinte, aber von derselben Hand, also demselben Pfarrer geschrieben, ist später hinter den Namen Mangelsdorff „aus Zabakuk“ und hinter Otto Sigismund Joseph mit großer Klammer „von Treskow“ eingeführt. Dann folgt am Rand rechts die Legitimation: „welches mit ihr bezeuget der Herr Geheime Rat Albert Sigmund Friedrich von Treskow und zwar ‚ex matrimonio ad morganaticum‘ wie er es nennt.“ Albert Sigismund bekennt sich nach dieser Urkunde vor Gesetz und Kirche als Vater des Kindes (…).“
Der Totenschein dieses zweiten Sohnes nennt diesen als der „Mangelsdorffen Sohn von Treskau“. Eine Ehe hat allerdings nicht bestanden, auch keine „morganatische“ – eine Formulierung, von der sich bereits der damalige Pfarrer sichtlich distanzieren wollte. Maria Elisabeth Mangelsdorff wird zeitlebens mit ihrem Geburtsnamen geführt, auch ihr Totenschein nennt sie „eine unverehelichte Frauensperson“. Albert Sigmund Friedrich v. Treskow hat, entgegen der Anerkennung im Taufregister, in seinem ausführlichen Lebenslauf weder seine Gefährtin noch die gemeinsamen Kinder erwähnt.

Maria Elisabeth Mangelsdorff überlebte den Vater ihrer Kinder um 44 Jahre und war wohl noch lange Zeit auf ihrer Hände Arbeit angewiesen. Sie bewohnte bis zu ihrem Tod das Haus Nr. 1575 in der Vogtey in Halberstadt (zumindest 1911 noch vorhanden als Nr. 21 auf der südlichen Straßenseite). Ihre Grabstätte war auf dem Alten Johannisfriedhof, „nahe bey“ der Kirche. So der Wissensstand von 1911.
Zwei Bilder gibt es von ihr; das eine, aus jüngeren Jahre, befand sich im Schloß Friedrichsfelde, das andere zeigt sie als Greisin. Dieses Gemälde trägt rückseitig die Aufschrift „Maria Elisabeth Mangelsdorf, von Friedrich Schöner, Halberstadt 1797 gemalt“. Fotografien beider Bilder hingen in meinem Elternhaus; sie ist auch meine Vorfahrin.

MangelsdorffTreskowOwinsk

Mein Vater Harald schreibt 1985, „daß die Forschungsmöglichkeiten absolut noch nicht ausgeschöpft sein werden. Es wäre wichtig, den Verbleib der Tochter Luise Helene Christine zu ermitteln. Da Maria Elisabeth Mangelsdorff in der Vogtei zu Halberstadt wohnte, dürfte sie eventuell Empfängerin von irgendwelchen Stifungsgeldern gewesen sein. Auch wenn heute [1985!] die Forschungsmöglichkeiten in Halberstadt sicherlich etwas erschwert sein werden, sind sie nicht unmöglich.“

Als sein Vater 1767 starb, war Otto Sigismund (auch Siegmund) Joseph Treskow 11 Jahre alt. Rüdiger v. Treskow schreibt:
„Nach dem Tod des Vaters ging Treskow bis 1778 in die Lehre des hugenottischen Kaufmanns Jean Heracle Chareau in Bernburg. Als Vermittler in die fortan bestimmende Welt der Refugiés dürfte der französisch-reformierte Halberstädter Prediger Henri Balthasar Catel (1711-1775) tätig geworden sein. Noch Jahrzehnte später beauftragte Treskow den Architekten Louis Catel mit der Ausführung der Repräsentationsbauten in Owinsk.
Über Leipzig führte der Weg nach Berlin, wo Treskow als Buchhalter der Seidenblumen-Manufaktur von Martin Friedel am Spittelmarkt tätig wird. Bereits 1781 hatte er das Berliner Bürgerrecht erhalten, 1783 eröffnet er eine eigene Manufaktur für Kunstblumen. 1784 heiratet er mit Anna Sara George die Tochter des vermögenden französischen Destillateurs Benjamin George, dem die Brauerei „Zur Goldenen Kugel“ in der Zimmerstrasse [Nr. 85] und ein weitläufiges Grundstück an der Friedrichstrasse gehörte. Treskow begründet im eigenen Haus an den Werderschen Mühlen eine Handlung für Galanteriewaren, Seidenbänder und Uniformstoffe. Ferner beteiligte er sich an verschiedenen Unternehmungen, die einen schnellen Profit versprachen. Gemeinsam mit dem Schwager seiner Frau, Jean Jouanne, betrieb er seit 1787 eine eigene Zuckersiederei, die 1793 an die Firma Schickler verkauft wurde.“ – Weitere Stationen seines Lebens sind der Website des Familienverbands zu entnehmen!

Am 14.1.1797 wird Otto Sigismund Joseph Treskow in den Adelsstand erhoben; ab jetzt heißen er und seine Nachfahren „von Treskow“. Um sich von den „nicht standesgemäßen“ Verwandten abzugrenzen, schreiben die Mitglieder der ursprünglichen (uradeligen) Familie ihren Namen zunehmend „von Tresckow“. Im selben Jahr kauft Otto Sigismund das Gut Owinsk. Eine Spiritzusbrennerei wird dort errichtet; 1804 wird mit dem Bau einer bis heute bedeutenden Anlage begonnen. Rüdiger v. Treskow schreibt im Zusammenhang mit seiner Monografie zu Owinsk:
„Seit 1799 hatte David Gilly drei seiner Schüler nach Owinsk bei Posen entsandt, um für den Berliner Kaufmann Otto Sigismund v. Treskow eine Gutsanlage nach neuestem Muster zu entwerfen. Ernst Konrad Peterson, Louis Catel und Karl Friedrich Schinkel errichteten in Owinsk bis zum September 1806 Wirtschaftsgebäude, Brennereien, Verwaltungsbauten und ein Landschloss mit Park nach den ästhetischen Prinzipien der Berliner Bauakademie. Peterson, der 1799/1800 parallel zu seiner Tätigkeit in Owinsk gemeinsam mit Schinkel die Ausbildung der Bauakademie durchlief, entwarf Scheunen, Ställe und repräsentative Gutsgebäude, Louis Catel — bis April 1803 an der Baustelle des Weimarer Stadtschlosses beschäftigt — übernahm die Konzeption des Schlossbaus. Schinkel entwarf nach seiner Rückkehr aus Italien im Sommer 1805 die Schlosserweiterung, die Gartenanlagen, Parkgebäude und Innenräume. Besonders die nach Schinkels Vorgaben ausgemalten Räume — etwa ein runder Gartensaal mit Schirmdecke und Sternenhimmel – und die Ausstattung des Festsaals mit Stuckarbeiten der musivischen Fabrik in Berlin begründeten früh die Bedeutung der Anlage. Owinsk ist heute ein einzigartiges Beispiel für den Berliner Klassizismus Gillyscher Prägung und nimmt eine besondere Stellung im Schinkelschen Frühwerk ein. Die Hamburger Hermann-Reemtsma-Stiftung hat 2010 damit begonnen, die erhaltene Bausubstanz von Schloß Owinsk zu dokumentieren.“

Otto Sigismunds Schwiegervater Benjamin George (1739-1823) gehörte zur berliner Kolonie der Hugenottenfamilien. Er war verheiratet mit Sara Jouin und hatte sich als Unternehmer auf dem Gebiet der Branntweinbrennerei großen Reichtum erworben. Über seinen Charakter gehen die Meinungen auseinander. Zum einen gilt Benjamin George als „hoch geachtet und nicht zuletzt weden seiner Wohltätigkeit sehr beliebt“ (Bernd Weber), andererseits als „Krämernatur schlimmster Sorte. Sein größe Freude war die Schadenfreude bei fehlgeschlagenen Unernehmungen seines Schwiegersohns“ (Reinhard v. Treskow). Wie auch immer, nach ihm (und nicht nach dem gleichnamigen Brauereibesitzer mit den Lebensdaten 1712-1771, Vater der später als berliner Original bekannt gewordenen Madame Dutitre) wurde die berliner Georgenstraße benannt.

Bernd Weber schreibt (hier gekürzt):
“ Am 6. Mai 1785 ersteigerte Benjamin George für 9100 Taler das heute durch die Friedrichstraße, die Georgenstraße und das Reichstagufer begrenzte Dreieck mitsamt der darauf befindlichen Bebauung. Dabei handelte es sich um ein Wohnhaus, Nebengebäude, das ehemalige Wach- und Torschreiberhaus an der Spree, einen Garten und die dahinter liegenden Wiesen. George erhielt den Zuschlag laut Kaufverhandlung, ‚da dieser Preis selbst die Taxe beträchtlich übersteiget und allem Anschein nach bei dem längeren Verzug und dem dadurch größeren Verfall der Gebäude, besonders bei der jetzigen Ueberschwemmung der Grundstücke, kein so ansehnliches Gebot gethan werden möchte.‘
Der neue Besitzer ließ auf dem Gelände vorhandene Wassergräben zuschütten, alte Gebäude abreißen und in den Jahren 1796 bis 1798 neue Gebäude errichten, die an der Friedrichstraße die Hausnummern 139 bis 141 umfaßten. An der späteren Georgenstraße entstanden Häuser mit den Hausnummern 17 bis 19 und an der Straßenecke gab es zusätzlich noch ein Gärtnerhaus, das der Gärtner Fintelmann bewohnte, der für die Pflege der Georgeschen Gartenanlage zuständig war. Bei der Erbauung der letztgenannten Häuser trat Benjamin George einen größeren Streifen seines Grundstücks zur Verbreiterung der Straße ab und ließ auf eigene Kosten einen Bürgersteig anlegen.
Zwanzig Jahre vorher wird in einem Stadtplan aus dem Jahre 1792 der kleine Weg noch mit ‚Katzenstieg‘ bezeichnet, der nach seiner Erhöhung und seinem Ausbau zur Straße den Namen Georgenstraße erhielt. Die Benennung erfolgte im Jahre 1799. Am 14. August 1810 konnte Benjamin George mit seiner Frau Sara Elisabeth, geborene Jouin, im Kreise der zahlreichen Familie, sowie der Anverwandten und Freunde die Goldene Hochzeit feiern. Einen Höhepunkt des Festes bildete zweifellos das Eintreffen eines Schreibens, in dem König Friedrich Wilhelm III. dem Rentier George ‚eingedenk der Verdienstlichkeit, die er sich in seinem Wirkungskreise erworben hat‘ zur Goldenen Hochzeit seine ‚Theilnahme bezeugt‘ und dem Jubelpaar die Fortdauer der Gesundheit wünscht.
Über den ganzen Tag hinweg wurde gefeiert und am Abend zogen die über zweihundert anwesenden Gäste in einer Prozession aus dem Hause der Georges in der Friedrichstraße durch den erleuchteten Garten über eine nur für diesen Zweck gebaute Brücke zu dem großen Gebäude der Freimaurerloge Royal York de l’Amitié. Dieses Bauwerk, im Jahre 1712 von Andreas Schlüter für den Minister Ernst Bogislav von Kameke erbaut, stand in einem großen, schönen Garten, der bis an das Ufer der Spree reichte und ansprechende Aussichten auf die gegenüberliegenden Wiesen erlaubte. Die Gesellschaft speiste in dem eleganten Gartensaal des Hauses, der mit Deckenbildern, plastischen Figuren in Lebensgröße und allegorischen Reliefs der Tugenden geschmückt war. Aber die Georges hatten nicht nur das eigene Vergnügen im Sinn: Anläßlich ihres Ehrentages spendeten sie für mehr als dreihundert bedürftige Personen in der Französischen Gemeinde Speisen und Getränke.
Das ursprünglich von Benjamin George erworbene Grundstück wurde 1810 an seiner Nordseite und 1817 an seiner Südwestseite durch Verkauf verkleinert, bis es am 8. Januar 1820 in den Besitz seiner Tochter Anna Sara und deren Ehemann Sigmund Otto Joseph von Treskow, sowie seiner Tochter Susanne Louise, verw. Jouanne, gegen eine jährlich an ihn zu zahlende Leibrente von 3 500 Talern überging. Benjamin George starb am 13. Januar 1823 und bis dahin wird er auch noch im Adreßbuch als Bewohner des Hauses Friedrichstraße 140 genannt. Geehrt wurde er in einem Nachruf, der in der ‚Vossischen Zeitung‘ am 16. Januar 1823 erschien. Hier wird auf seine Verdienste hingewiesen und weiterhin gesagt: ‚Durch große Bauten und Anlagen trug er vieles zur Verschönerung der Stadt bei, wofür ihm die ehrenvolle Auszeichnung wurde, daß man eine Straße nach seinem Namen benannte.‘ Seine letzte Ruhestätte fand Benjamin George auf dem Französischen Friedhof an der Chausseestraße. Hier ruht er in einem der sieben in zwei Reihen angeordneten Sandsteinsarkophage umgeben von seiner Familie.“ (Ganz rechts auf dem foto ist der rest der seitenfront des wohnhauses von bertolt brecht zu sehen, dessen grab dort jenseits des mäuerchens im Dorotheenstädtischen Friedhof liegt.)

GrabstätteGeorgeA

Johann Karl Sigismund (1787-1846), Sohn von Sigismund Otto Joseph v. Treskow und seiner Frau Anna Sara George (1763-1834), heiratete seine Cousine (mütterlicherseits) Marie Julie Jouanne (1791-1852). Rüdiger v. Trskow schreibt:
„Carl v. Treskow war Landwirtschaftsreformer und Schüler des Begründers der Agrarwissenschaft Albrecht Thaer. Nach einer Erziehung am Gymnasium in Gotha und an der Ritterakademie Brandenburg übernahm Carl v. Treskow 1803 mit fünfzehn Jahren die Verwaltung der Owinsker Familiengüter bei Posen und empfing dort 1806 als knapp 19-jähriger den Kaiser Napoleon, der bei Owinsk die Warthe überquerte. Trotz wirtschaftlicher Erfolge blieb das Verhältnis zum Vater angespannt. Nach der Heirat 1812 schlug Carl das Erbe in Owinsk aus, zog auf das neuerworbene Gute Kade in der Mark und betätigte sich als Destillateur in der Berliner Schnapsfabrik des Großvaters Benjamin George. Carl wurde enterbt, Vater und Sohn sahen sich nie wieder. Die reiche Mitgift seiner Frau und das Vermögen des Großvaters ermöglichten dennoch 1816 den Ankauf des Ritterguts Friedrichsfelde, wo Carl in den Folgejahren eine Musterlandwirtschaft nach den Vorstellungen des preußischen Landwirtschaftsreformers Albrecht Thaer einrichtete.“ (Weiterlesen auf der Treskow-Site!)

Seine Schwester Anna Sara (1790-1873) heiratete Benedikt Anton Graf v. Lüttichau (1778-1850), den Großvater meines Urgroßvaters. Und so weiter.. !

Quellen:
* Harald Graf v. Lüttichau: ‚Beiträge zur Familiengeschichte des Geschlechts von Treskow‘ (1. Lieferung 1978, 2. Lieferung 1985) (als Manuskript gedruckt)
* ders.: ‚Geschichte der Familie‘ (= Beiträge zur Familiengeschichte der Herren, Freiherren und Grafen von Lüttichau, 1. Teil, 1. Teilband; 2., veränderte Auflage Leipzig/Berlin 2011; http://www.autonomie-und-chaos.de )
* Website des Familienverbands der Familie v. Treskow (bearbeitet von Rüdiger v. Treskow): http://www.treskowpage.com/
* Rüdiger v. Treskow: ‚Gilly – Schinkel – Catel. Das Landschloss Owinsk bei Posen. Klasycystyczny Pa ac Owinska 1803-1806.‘ (Berlin/München 2011)
* Bernd weber: ‚Nach wem wurde die Georgenstaße in Berlin-Mitte benannt?‘
auf: http://diegeschichteberlins.de
* Epitaph für Albert Sigismund v. Tres(c)kow in Halberstadt: http://www.flickr.com/photos/mondrian-berlin/9786451202/