Ida v. Lüttichau: Das Unzusammenhängende als Basis

Ida v. Lüttichau

Der Trotz will halten die dehmuth läßt fahren: sie genießt als genöße sie nicht, jede Wahrheit des Lebens die sich in uns oder andern kund giebt, ohne Rückhalt wie ohne falsches Streben, in der unmittelbarkeit ihres daseyns, in der Einfalt der Gegenwart, in Leidenschaft u Ruhe, mit passivität u activität, zugleich unbefangen u bewußt. Das sich selbst genügen in allen Dingen ist so entfernt von Hochmuth, daß es selbst im Gefühl der Sünde, oder Unzulänglichkeit, Mangelhaftigkeit ect eine innere Genüge geben kann, denn sie ist die irdische Regel; alles Ideal wäre die Ausnahme u in so fern kann sie unsrer irdischen Existenz nicht als basis dienen. Das Vergängliche aber, das Bruchstückweise, das Unzusammenhängende als die nothwendige Basis anzusehen u sich darinn zu beruhigen ist die Haupt Aufgabe des Geistes u auf diesem fundament kann erst die Seele weiterbauen. Also nicht die Sehnsucht ins Leere hinaus, sondern die positive Hingebung oder Entsagung oder Selbst-Vernichtung von Anfang herein entfaltet die Seele von Innen nach Außen u setzt sie in Bewegung. Aus dieser erst wächst die Leidenschaft die ihren rythmus in sich trägt u ihre menschliche Abgränzung kennt.

Ida v. Lüttichau (1798-1856) – Aus einem tagebuch von 1841/2; in: ‚Wahrheit der Seele. Ergänzungsband‘ (berlin 2013)

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Das berliner Stadtschloß

Das Berliner Stadtschloß

Vorgängerbauten gab es auf diesem gelände seit 1443. Bei bombenangriffen brannte das schloß am 3. februar 1945 weitgehend aus. Außenmauern, tragende wände und treppenhäuser blieben erhalten. Bis 1949 wurden teile des schlosses genutzt. September bis dezember 1950 wurde das berliner stadtschloß abgerissen. – –
Seit 1991 lief in berlin eine heftige debatte um den wiederaufbau. Inzwischen ist die entscheidung gefallen – das berliner stadtschloß wird wiederaufgebaut. Ein stück fassade steht bereits; derzeit werden die historischen kellergewölbe des schlosses archäologisch untersucht.

Ich hatte ursprünglich keine meinung zu diesem projekt. Als ich damals vor dem trümmerberg der dresdner frauenkirche stand.. daneben schon die stahlregale mit katalogisierten mauerstücken.. und als ich dann bilder vom inneren der früheren kirche sah, war ich ganz und gar für jenen wiederaufbau. Nur durch spenden finanziert! So viele menschen haben dann daran mitgewirkt! So viel technik – wurde diesmal nicht zum geldverdienen oder krieg machen eingesetzt, sondern um ein kleines moment von menschengemachter schönheit wieder zu heilen..
Nein, es hat keinen einzigen menschen wieder ins leben gerufen, der in diesem krieg umgebracht wurde. Ja – mit diesem geld hätten heute lebende menschen unterstützt werden können. Trotzdem.. auch gut gemeint kann es nicht ständig nur um „geld“ gehen.

Und jetzt.. das berliner stadtschloß? Nochmal um spenden trommeln (werben), viele millionen euro?
Und das schloß ist ja nun wirklich nicht zuletzt ein machtsymbol. Ist ja nun definitiv gebaut worden nicht für das volk, sondern von wenigen – mit den ressourcen des volkes!
Aber je öfter ich da rumlaufe, am alex, zwischen zeughaus und hedwigskathedrale, um die ecke das bühnenbild der bauakademie (auch sie soll wieder aufgebaut werden, ein sponsor wird gesucht!), gegenüber die neue wache, das alte museum, die museumsinsel.. – zwischendrin die figuren auf der schloßbrücke.. – – immer öfter stell ich mir das schloß vor und wie das dann wäre.
Anders, aber doch ein bißchen so wie auf dem foto hier oben..

Den kiez um den alex hatte ich immer als das herz von berlin empfunden, auch schon zu westberliner zeiten, – und das hat sich nicht geändert. Ich laufe kreuz und quer, die touristen stören überhaupt nicht. Es ist ein völlig anderes klima als im westen, um die gedächtniskirche, am kudamm! Dort hetzen auch die touristen von laden zu laden, – hier promenieren sie, staunen und träumen und sind doch ziemlich froh. Jedenfalls kommts mir so vor!

Doch, ich bin jetzt für den wiederaufbau des stadtschlosses. Ausm bauch raus, – ohne rationale argumente. Trotz der rationalen argumente, die es nach wie vor dagegen gibt.

Beim FÖRDERVEREIN BERLINER SCHLOSS e.V. (www.berliner-schloss.de) gibts eine fülle von informationen; es gibt ein mitteilungsblatt (Berliner Extrablatt) und davon eine sonderausgabe zur geschichte des schlosses und der diskussionen zum wiederaufbau, mit vielen fotos (eines davon hier oben!). Und es gibt die schreiend deplacierte HUMBOLDT-BOX auf dem gelände des schlosses, in der noch mehr infos zu finden sind. (Die soll deplaciert wirken!)