Sonja Gerstner (1952-1971)

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Frau Dr. Kössling sagte ich im Caritas, die Aktion heißt Liebe! Dafür war ich in drei medizinischen Gefängnissen!
Wer hat verstanden, wer hat es verstanden, daß ich echt liebe? Peer? Nein, er nicht. (…) Ich hatte sehr viel Mut, denn ich wußte schon im Voraus, für mich persönlich wird durch Mut alles schlimmer. Ich habe nichts mehr gesagt, ich habe nichts mehr gegessen. Das war der subjektive Oppositionsdrang. Objektiv hatte ich es damals wohl schon aufgegeben für kurze Zeit, den Menschen klar zu machen, – wer liebt ist glücklich!
Wenn ich von Mutti höre, in den USA werden die Städte so groß, daß nur der ein Auto hat sich in ihnen bewegen kann, wird das Leid durch all die Widersprüche, die in der Stadt knallhart aufeinander prallen, immer größer, auf der Straße geschehen Überfälle, Passanten sagen nur: „That’s your Problem!“ – wenn ich so etwas höre, frage ich mich: Wie dumm sind die Menschen!
Ich bin revolutionär, nicht geistig gestört.
Ich bin opferbereit nicht nervenkrank. Ich war zu mutig, zu temperamentvoll und vielleicht habe ich mir auch zu viel Gedanken gemacht über Abwegiges. Manchmal glaubte ich an eine Mission, die mir aufgetragen wurde, wenn ich wieder und wieder sah, wie dumm, einfach dumm die Menschen sind, wenn sie sich als Feinde gegenüberstehen.

Sonja Gerstner, Krankenhaustagebuch November/Dezember 1970

siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Sonja_Gerstner
sowie: Sibylle Muthesius: FLUCHT IN DIE WOLKEN (Berlin/DDR 1981 und später)

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