Petra Bern : ESCAPICTORA (2018)

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Martin Puder: Das Nichtidentische (Adorno) im Alltag

„Das Nichtidentische, wie es in einer solchen Lebensführung erscheint, die es anerkennt, ist weder das schlechte Nichtidentische, das diejenigen, die zwanghaft Identität herstellen, täglich als Widerspruch erfahren, noch auch schon das gute Nichtidentische, das in einem befreiten Zustand als der Dialektik enthobenes Verschiedenes erscheinen würde.“

MARTIN PUDER (in einer noch unveröffentlichten Vorlesung, 1984/5)

Allein

Wir sind allein, als Mensch – immer.
Wir haben nur ein Gegenüber, ein Nicht-Allein: das ist die Welt, als Ganzes.
Dafür sind einzelne nahe Menschen oder Wesen nur Symbole –
nicht mehr und nicht weniger.
Mondrian 19.2.2016

KATHY STEELE: Das Heilen der zersplitterten Seele

Alle Therapeuten, die ich kenne und die diese Arbeit machen, wurden mindestens einmal aus heiterem Himmel vom schieren Grauen getroffen. Ihre eigene Ver­wundbarkeit, ihre Hilflosigkeit im Angesicht dieser Form von Gewalt ist gewaltig. So ist das Böse. Ich kenne keinen anderen Begriff dafür. Die Wissenschaft hat hier versagt, daher bediene ich mich aus dem geistlichen Vokabular.

Wie leistet man Beistand für eine zerbrochene Seele? Behutsam, freundlich und mit tiefem Respekt. Mit Geduld, denn für die Zersplitterten ist die Zeit stehen ge­blieben, und die Bewegung im Heilungsprozess wird am Anfang langsam sein. Mit der zärtlichen Kraft, die aus der Offenheit für Ihre eigenen tiefsten Verlet­zungen und Ihrer eigenen tiefsten Heilung kommt. Mit Entschiedenheit, niemals schwankend in der festen Überzeugung, dass das Böse stark ist, aber dass es etwas Gutes gibt, das noch stärker ist. Bleiben Sie mit Ihrem ganzen Wesen mit diesem Guten verbunden, egal wie es sich für Sie manifestiert. Machen Sie sich mit den Schatten vertraut, die tief in Ihnen stecken. Und öffnen Sie sich dann – alles, was Sie ausmacht – dem Licht. Geben Sie großzügig. Nehmen Sie im Über­maß. Finden Sie Ihre Sicherheit, Ihr Refugium, und gehen Sie dahin, wann immer Sie es brauchen. Hören Sie sich an, was Sie hören können, und seien Sie über den Rest ehrlich: Seien Sie ehrlich, egal, was es kostet. Die Worte werden nicht immer leicht fließen; manchmal fehlen einem im Angesicht eines so tragischen Bösen die Worte. Doch wenn Sie bereit sind, bei ihnen auszuharren, dann wer­den sie Sie hören: Von Seele zu Seele werden sie das hören, für was es keine Worte gibt.

Drehen Sie sich um und sehen Sie sich diesen tiefen Abgrund im Inneren an, wenn Sie dazu bereit sind. Lassen Sie los. Trauern Sie, wüten Sie, weinen Sie, tei­len Sie die Tränen. Finden Sie jemanden, dem Sie vertrauen können, und lassen Sie zu, dass er oder sie bei Ihnen ist. Erleben Sie Lachen, die heilende Kraft des Humors. Vertrauen Sie sich selbst. Vertrauen Sie auf den Prozess. Umarmen Sie Ihre Welt, diese Welt, die Sie jetzt sicher hält. Halten Sie an den kleinen liebe­vollen Geschenken des Augenblicks fest. Lassen Sie zu, dass Sie geliebt werden. Lassen Sie zu, dass Sie lieben. Dann wird die zersplitterte Seele heilen.

 

aus: Kathy Steele: Sitting with the Squattered Soul

Zitiert von ALISON MILLER: Jenseits des Vorstellbaren (Kröning 2014, Seite 346 f.)