Heinrich Hauser: Roma in Belgrad (1937)

Heinrich Hauser_Roma in Rumänien_1937

Zigeunerinnen sangen Volkslieder. In diesen Melodien war der Karst mit seinen zauberhaften Licht- und Schattenspielen, war das Rauschen der Bergströme, war der tierische Klang des Dudelsacks, das Blöken der Schafherde, die Glocken der Leitkühe auf den Almen. Niemals zuvor habe ich so viel Liebe, Sehnsucht und Traurigkeit im Lied gehört. – Die Haltung der Sängerinnen war streng und gemessen, benahe spanischer Stil. Sie begleiteten sich mit dem Tamburin, das senkrecht hochgehalten wurde, nur ganz leise bwwegt. Die Elemente des Tanzes, der die Musik begleitete, waren ganz orientalisch, streng und gemessen war auch das Kreisen des Bauchs, das Schütteln der Brüste. Später ging das Tamburin, flach gelegt, zwischen den Tischen sammeln. Freigiebig klirrten die Münzen auf das Pergament. Aber man spaßte nicht mit diesen schönen Mädchen. Nein, es handelte sich um Kunst; Erinnerungen, Gefühle wallten auf, verschiedene in jedem einzelnen, Tränen flossen über wetterbraune männliche Gesichter. Man weinte leicht, man liebte es, gerührt zu sein.

HEINRICH HAUSER: Süd-Ost-Europa ist erwacht (Berlin 1938: Rowohlt Verlag)

 

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