HANS KILIAN: Das enteignete Bewußtsein (1971)

Gerade dadurch, daß die heute lebenden Generationen im gegenwärtigen Zeitalter einer sinnfälligen Beschleunigung der Geschichte gezwungen sind, die historische Relativität der in „Kulturverzug“ geratenen eigenen Strukturen wahrzunehmen, bleibt ihnen keine andere Möglichkeit der Orientierung, als auf die historische und gesellschaftliche Vermittlung aller bisherigen Formen menschlicher Identität systematisch zu reflektieren.
Gerade dadurch, daß sie dies und nichts anderes tun können, – gerade dadurch, daß sie die bisher in den „Urgrund menschlichen Seins“ projizierten Formen innergeschichtlichen Soseins als Identifikationssystem partialkultureller Verpuppung, Verkürzung und Verdinglichung eines unentfalteten menschlichen Wesens erkennen können, gewinnen sie jenseits der Festlegung auf die perspektivische Sicht intrakultureller Bewußtseinsstrukturen einen Zugang zur Aufhebung der Partialkultur und zur Überwindung der psychosozialen Schwerkraft ihrer statischen Identifkationssysteme.
Sie gewinnen unversehens einen neuen archimedischen Punkt des Überblickes, von dem aus ein Sprung in die neue Qualität eines „transkulturellen“ Menschheitsbewußtseins erstmals möglich und der Nichtvollzug eines solchen Sprunges erstmals unmöglich zu werden beginnt.  (S. 55)

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