Die Komponistin Emilie Mayer

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Emilie mayer (1812-1883) war lebenslang freie komponistin, sie feierte große erfolge – leben konnte sie allerdings nicht von ihrer arbeit. Nach ihrem tod war sie bald vergessen. Die musik ging neue wege. – Seit einigen jahren werden ihre oft nur handschriftlich überlieferten kompositionen ausgegraben und wiederentdeckt – von musikern, musikwissenschaftlern und hörern.

Emilie mayer kam aus friedland (unweit neubrandenburg), erhielt ab dem 5. lebensjahr klavier- und orgeluntericht, studierte bei carl loewe in stettin. 1847 wurden dort ihre ersten beiden sinfonien uraufgeführt. Im selben jahr geht die komponistin nach berlin, setzt ihre studien fort (bei adolph bernhard marx und wilhelm wieprecht). 1853 wird am Königlichen Schauspielhaus am gendarmenmarkt (heute: Konzerthaus Berlin) bereits ihre fünfte und sechste sinfonie gespielt; im publikum sitzt die königliche familie.

Im laufe ihres lebens entstehen lieder, 15 konzertouvertüren, 8 sinfonien, 8 streichquartette und 3 streichquintette, 2 klavierquartette, 8 klaviertrios, mehrere violin- und violoncellosonaten, etliche klavierwerke (darunter ein klavierkonzert) sowie ein singspiel nach j. w. v. goethe. Für viele der werke sind aufführungen belegt; ihre mit 70 jahren komponierte Faust-Ouvertüre op. 46 wird die zu lebzeiten populärste komposition und erklingt in berlin, stettin, prag, wien und halle sowie offenbar auch im ausland. In münchen, köln und posen wird ihre musik gespielt. Franz liszt schreibt ihr 1857 zu ihrem streichquintett d-moll: „Stellen wie zum Beispiel [noten] bekunden ein musikalisches Vermögen, um welches Sie manch hochnäsiger Kapellmeister mit Recht beneiden könnte! – Ob Sie dafür der Schlendrian des Pedantismus, und die oftmalen unter aller Critik stehende Critik loben wird, bleibt dahingestellt.“ (In einer broschüre der Strelitzer Musikfreunde e.V.)

1862 kehrt emilie mayer nach stettin zurück; finanzielle probleme können eine rolle gespielt haben. Im adreßbuch steht: „Mayer, E., Komponistin, Reifschlägerstr. 6“ – es ist das haus ihres bruders. Sie komponiert verstärkt kammermusikwerke, kümmert sich hartnäckig um die drucklegung von noten, pflegt kontakte zu einflußreichen persönlichkeiten. In musikalischen fachkreisen findet sie beachtung und anerkennung; entsprechende zeugnisse sind dokumentiert in einer biografie von almut runge-woll (2003).

In ihren letzten lebensjahren, ab 1876, lebt emilie mayer wieder in berlin. Aufführungen gibt es weiterhin, 1878 berichtet die pariser Revue et Gazette musicale anerkennend über die aufführung ihrer h-moll-sinfonie in halle.

Ihre grabstätte auf dem Dreifaltigkeitskirchhof (übrigens in unmittelbarer nähe der gräber von fanny hensel und felix mendelssohn- bartholdy) ist leider nicht erhalten.

Bei der Neubrandenburger Philharmonie ist ihr 200. geburtsjahr (2012) emilie mayer gewidmet. Feierlicher höhepunkt ist die uraufführung der rekonstruierten h-moll-sinfonie: In der ehemaligen Neptun-Werfthalle 207 in rostock präsentiert die Neubrandenburger Philharmonie am 31. august die von generalmusikdirektor stefan malzew erarbeitete orchesterfassung des werks, das nur in einer bearbeitung für zwei klaviere überliefert war. Auf dem programm stehen mit der Faust-Ouvertüre und dem konzert b-dur für klavier und orchester (mit vladimir stoupel als solist) zwei weitere werke emilie mayers. – Die h-moll-sinfonie wird ein weiteres mal gespielt am 3. oktober 2012 in der Konzertkirche Neubrandenburg.

Bereits am 10., 11. und 12. mai fand das 9. Philharmonische Konzert zum 200. geburtstag emilie mayers (am 14.5.) statt, in neubrandenburg, güstrow und neustrelitz. Auf dem programm stand die Faust-Ouvertüre, das klavierkonzert B-Dur sowie die sinfonie nr. 6 E-Dur.

Aber auch in berlin hat die wiederentdeckung emilie mayers begonnen. Am 20. mai wurde im Konzerthaus Berlin (dem ort ihrer früheren triumphe!) das klavierkonzert B-Dur von vladimir stoupel und stefan malzew an zwei klavieren vorgestellt. Mit dabei waren die musikwissenschaftlerin almut runge-woll (emilie mayer-biografin) und dietmar hiller, musikdramaturg des Konzerthaus Berlin. Am tag drauf erklangen zwei ihrer violin-sonaten in der Mendelssohn-Remise.

Der pianist vladimir stoupel schreibt zu emilie mayers klavierkonzert:

„Diese welt faszinierte mich durch eine eigentümliche Mischung von einer gewissen Naivität und Unbefangenheit im Umgang mit der Form sowie durch den melodischen Reichtum und die Elemente des Belcanto (…). Das alles, verbunden mit der hohen Virtuosität der Ecksätze, gibt dem Klavierkonzert sein eigenes, unverwechselbares Gesicht. Je länger ich das Konzert studierte, desto mehr kamen kleine Perlen zum Vorschein. Hier eine unübliche Harmonie, dort eine unerwartete melodische Wendung. Manche kompositorischen Unzulänglichkeiten wirkten nicht als Schwächen der Komposition, sondern trugen eher zu deren Charme bei. (…) Die Komponistin hatte lange an diesem Werk gearbeitet, man merkt es an den Veränderungen in der mit Feder und Tinte geschriebenen Partitur, wo sie mit viel Temperament ganze Taktreihen mehrmals durchstrich, um sie durch die besseren zu ersetzen. Ich bekam viel Respekt vor dieser Arbeit. Die Frage, ob der von Emilie Mayer gewählte Kompositionsstil noch angemessen sei für die Epoche nach Beethoven, wurde irrelevant. Komponieren war ihr Leben. Sie hinterließ ein umfangreiches Œuvre, aber ihrer Zeit war sie nicht voraus. Aus dem ganz einfachen Grunde: sie hatte ihre eigene Zeit.“ (Im programmheft des 9. Philharmonischen Konzerts)

Lithographie (c) Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg

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